Night-Eating-Syndrom

Warum manche Menschen nachts essen müssen

Wie weit verbreitet das Night-Eating-Syndrom ist, dazu gibt es keine zuverlässigen Zahlen. Experten gehen davon aus, dass etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung davon betroffen sind. Sie werden nachts wach und verspüren einen riesengroßen Hunger. Bevor sie nicht etwas gegessen haben, finden sie keine Ruhe mehr. Das Night-Eating-Syndrom geht mit schwerwiegenden Ein- und Durchschlafstörungen einher und kann für die Betroffenen eine große Belastung sein. Doch was genau ist das Night-Eating-Syndrom und was können die Betroffenen dagegen tun?

 

Die Symptome beim Night-Eating Syndrom

Menschen, die vom Night-Eating-Syndrom betroffen sind, haben im Vergleich zu anderen ein zeitlich verschobenes Essverhalten. In der ersten Tageshälfte essen sie in der Regel nur sehr wenig oder gar nichts, dafür in der zweiten Tageshälfte umso mehr. Dadurch nehmen sie nicht zwangsläufig mehr Kalorien auf. Doch bei vielen ist das leider so und nach einiger Zeit leiden sie an zum Teil massivem Übergewicht. Per Definition nehmen Menschen mit dem Night-Eating-Syndrom rund 25 Prozent von der tagsüber üblichen Menge an Essen nachts zu sich, insbesondere viele Kohlehydrate. Manche stehen nachts sogar mehrmals auf, um sich etwas zu essen zu holen, sonst können sie nicht weiterschlafen. Weitere Symptome sind:

  • kein Appetit am Morgen
  • abends schlechte Stimmung
  • Angststörungen und Depressionen
  • Verminderte Lebensqualität
  • Stress
  • Anspannung
  • Sorge um die Figur und um die Gesundheit

Bild 2 Artikel "Warum manche Menschen nachts essen müssen"Pixabay © stocksnap (CC0 Public Domain)

 

Davon abzugrenzen ist die schlafbezogene Essstörung, bei der die Betroffenen schlafwandeln und während sie schlafen essen. Dadurch dass sie schlafwandeln, können sie auch im Schlaf den Kühlschrank oder die Vorratskammer plündern. Morgens wundern sie sich dann, wenn das Essen nicht mehr da ist. Sie können sich in der Regel nicht daran erinnern, was sie nachts getan haben.

Was verursacht das Night-Eating-Syndrom?

Zur Ursache des Night-Eating-Syndroms gibt es verschiedene Theorien. Hier besteht auf jeden Fall noch weiterer Forschungsbedarf, um diese Frage endgültig zu klären. Zu den möglichen Ursachen gehören:

  • Hormone, die den Appetit anregen

Es besteht der Verdacht, dass das Hormon Ghrelin das Night-Eating-Syndrom verursacht. Ghrelin regt den Appetit an. Forscher haben festgestellt, dass die  Betroffenen nachts einen viel höheren Ghrelinspiegel haben als andere Personen, die nicht an diesem Syndrom leiden.

  • fehlreguliertes Melatonin

Auch der Melatoninspiegel könnte verantwortlich sein für die nächtlichen Essattacken. Melatonin gibt dem Organismus vor, wann es Zeit ist zu schlafen. Bei Dunkelheit schüttet es der Körper vermehrt aus und das macht schläfrig. Wenn der Melatoninspiegel fehlreguliert ist, beispielsweise weil elektrisches Licht die Ausschüttung hemmt, kann das den Biorhythmus stark beeinträchtigen.

  • genetische Ursachen

Oft tritt das Night-Eating-Syndrom innerhalb einer Familie häufiger auf. Daher vermuten Mediziner hier einen genetischen Zusammenhang. Eine Gen-Mutation könnte für die Essattacken verantwortlich sein.

Darüber hinaus sind viele der Betroffenen übergewichtig. Allerdings ist Übergewicht eher eine Folge des Night-Eating-Syndroms und keine Voraussetzung, dass es entsteht. Das Übergewicht kann die Symptome allerdings noch verschlimmern.

Was tun gegen die nächtlichen Essattacken?

Ärzte setzen zur Behandlung häufig Antidepressiva und andere Psychopharmaka ein. Weitere Therapiemöglichkeiten sind:

  • Verhaltenstherapie, die helfen soll, die Essenszeiten zu verändern
  • Psychotherapie
  • Lichttherapie
  • Entspannungsübungen
  • Ernährungsberatung

Was der Arzt tun kann

Wer gelegentlich nachts wach wird und etwas essen muss, sollte sich darüber keine weiteren Gedanken machen. Das kommt auch bei Gesunden gelegentlich vor. Wer allerdings die Symptome des Night-Eating-Syndroms bei sich bemerkt, sollte umgehend zu einem Arzt gehen.

Der Arzt versucht zunächst herauszufinden, ob es tieferliegende Probleme gibt, die die nächtlichen Essattacken auslösen. Im Gespräch versucht der Arzt zu ergründen, ob eher die Psyche für das Essverhalten verantwortlich ist, ob Schlafstörungen das Verhalten auslösen oder ob es eine Kombination daraus ist.

Ein erfolgversprechender Therapieansatz ist die Psychotherapie. Dabei erarbeiten die Betroffenen zusammen mit einem Facharzt eine Lösung, damit die nächtlichen Essattacken aufhören. Sie lernen dabei wieder besser zu schlafen und nachts wieder einzuschlafen, ohne etwas zu essen.

Antidepressiva und andere Medikamente verschreibt der Arzt je nach Bedarf. Betroffene sollten sich nicht auf eigene Faust damit versorgen.

Was die Betroffenen selbst tun können

Bild 3 Artikel "Warum manche Menschen nachts essen müssen"

Nicht jedes Schlafproblem ist gleich ein Hinweis darauf, dass der Melatoninspiegel zu niedrig ist. Manchmal resultieren wenig erholsame Nächte aus einer schlechten Schlafqualität. Daher ist es wichtig, dass die Betroffenen an ihrem Schlafverhalten arbeiten. Die folgenden Tipps können dabei helfen, die Schlafqualität zu verbessern:

  • Im Bett wird nur geschlafen. Viele gehen abends ins Bett, schauen noch fern, spielen mit dem Smartphone oder essen noch etwas. Das sind alles Beschäftigungen, für die andere Orte besser geeignet sind.
  • Blaues Licht macht wieder wach. Für einen besseren Schlaf ist es daher sinnvoll, circa 30 Minuten vor dem Zubettgehen keine Bildschirme mehr zu benutzen, also weder Fernseher noch Laptop oder Smartphone. Das blaue Licht macht wieder wach und das Einschlafen fällt dann schwerer. Stattdessen könnte ein schönes Buch beim Einschlafen helfen.
  • Dunkelheit fördert die Melatoninproduktion. Damit die Melatoninausschüttung richtig in Schwung kommt, sollte das Schlafzimmer so dunkel wie nur möglich sein. Ein Nachtlicht, eine große Laterne vor dem Schlafzimmerfenster können den Hormonhaushalt beeinträchtigen.
  • Ein fester Rhythmus fördert gesunden Schlaf. Wer immer zur gleichen Zeit ins Bett geht und zur gleichen Zeit wieder aufsteht, schläft erwiesenermaßen besser. Der Körper gewöhnt sich an diesen Rhythmus und wird abends zur richtigen Zeit müde.
  • Sport schafft einen Ausgleich. Wer den Tag überwiegend sitzend verbringt, ist abends körperlich nicht müde. Eine Runde Sport kann dabei helfen, den Körper so richtig auszupowern, aber auch regelmäßige Spaziergänge helfen dabei.
  • Wichtig ist auch gesundes Essverhalten. Dazu gehört es, tagsüber nicht auf Mahlzeiten zu verzichten und sich auch nicht mit einer Diät zu geißeln. Das hilft Heißhungerattacken zu vermeiden. Guter Schlaf hilft ebenfalls gegen Heißhungerattacken.
  • Um gut in den Schlaf zu finden und durchzuschlafen, ist es zudem sinnvoll, abends keinen Alkohol zu trinken.

Autor: Red.

Ähnliches zum Thema

0 Kommentare „Warum manche Menschen nachts essen müssen“

Für Kommentare, bitte einloggen oder registrieren.